Umbau
Heinrich-Plett-Strasse Hamburg
Projektdaten
2024
Hamburg
DOPPELTE METAMORPHOSE EINES FLACHDACHBUNGALOWS – MEHR LICHT, MEHR RAUM
In der Heinrich-Plett-Straße im Hamburger Westen entstand in den 70er Jahren ein eingeschossiger Bungalow mit Doppelgarage. Der Traum vom Eigenheim buchstabierte sich in Flachdach, Gelbklinkerfassade, Waschbetonplatten für Auffahrt und Terrasse, dunkelbraunen Holztüren, beigen Solnhofener Platten, Terrakottafliesen und Mosaikparkett. Den größten Luxus leistete sich der Bauherr mit einem zusätzlichen Trakt für den Indoorpool.
Probleme mit dem Flachdach führten bereits 1976 dazu, dass die Eigentümer eine pragmatische Lösung fanden: Sie ließen das undichte Bestandsdach unverändert und setzten einen Ringanker auf das Haus, um ein ungedämmtes Steildach mit braunen Betonpfannen als reinen Wetterschutz zu installieren.
Ende 2021 erwarben neue Besitzer das in die Jahre gekommene Haus mit doppeltem Dach und nicht nutzbarem Raum dazwischen. Trotzdem entschieden sie sich, das Gebäude zu erhalten, energetisch zu optimieren und an moderne Standards anzupassen. Wir haben das aufgesetzte Dach mit dem ursprünglichen Baukörper zu einer räumlichen Einheit verbunden. Im Wohn- und Poolbereich entfernten wir das bestehende Flachdach samt Tragkonstruktion, sodass nur der Dachstuhl des geneigten Daches erhalten blieb; in den anderen Bereichen legten wir lediglich die Balken des Flachdaches frei. Das zurückgebaute Dach haben wir nach heutigem Regelwerk optimiert.
Das Gebäude gewann dadurch seinen besonderen Reiz: Aus der ursprünglichen Deckenhöhe von 2,50 Metern wurden Räume bis zu 6,5 Meter hoch, teils mit geweißter, sichtbarer Dachkonstruktion.
Neue Dachflächenfenster sorgen auf der Nordseite dafür, dass blendfreies Tageslicht die großen Flächen gleichmäßig ausleuchtet. Im Schlafzimmer gibt es einen Clou: Die ersten Morgenstrahlen fallen durch einen nach Osten gerichteten Lichttrichter und tauchen die Wände in zartes Orange. So entstand mehr Luft, Raum und Licht zum Leben.
Die neu gewonnene Großzügigkeit zeigt sich auch in der Weite: Schwellenlose und raumhohe Glaselemente lassen sich fast vollständig als große rahmenlose Schiebeelemente zum neu gestalteten Garten öffnen. Aufgrund der U-Form und der transparenten Ausführung der Fassade kann das gesamte Innere des Hauses von fast jedem Standpunkt aus überblickt werden. Von der Küche bis zum Pool ist der Blick frei – das Haus gewinnt dadurch an Größe und für die Bewohner entsteht ein wertvolles Gefühl von Sicherheit.
Den gesamten Eingangs- und Küchenbereich haben wir neu organisiert und die Räume geöffnet. Die Küche bildet nun das Herzstück des Wohnhauses und lässt sich – anders als die fließenden Wohnräume des endlosen Grundrisses – flexibel mit Schiebeelementen aus Stahl verschließen. Eine Besonderheit sind hier die semitransparenten Riffelglasscheiben der großen Industrieglastüren.
Auffallend ist das konsequente schwarz-weiße Farbkonzept, selbst der leicht unebene Holzfußboden besteht aus schwarz geölter Eiche. Ausnahmen bilden der Pool, das zugehörige Bad sowie die Küche, die mit grün schimmernden Fliesen an eine Lagune erinnern. Vor allem abends, wenn Licht auf die Fliesen fällt, reflektieren sie und erzeugen wasserähnliche Muster an der Decke. Die Sauna bietet mit urigem Altholz einen gelungenen warmen und rustikalen Kontrast.
Von außen zeigt sich der Umbau vor allem am Dach. Flache, fast schwarze Tondachziegel betonen die reduzierte Formensprache der Baukörper und ermöglichen die nahtlose Integration des Indach-Photovoltaiksystems. Dieses erstreckt sich mit 27 kWp über die gesamte Dachfläche zum Innenhof. So wird das einstige Schutzdach zur Energiezentrale. Traufkanten und Materialübergänge haben wir bis ins kleinste Detail durchgearbeitet. So wird beispielsweise die verdeckte Kastenrinne durch gekantete schwarze Zinkeinfassungen zum verbindenden Gestaltungselement der Dachflächen.
Nachhaltigkeit
Durch den Erhalt der bestehenden Bausubstanz haben wir graue Energie bewahrt und Ressourcen geschont. Die Öffnung des Daches fördert nicht nur die Aufenthaltsqualität, sondern stärkt auch die emotionale Verbundenheit der Bewohner mit ihren Räumen: Die höheren Decken verbessern die Luftzirkulation, ermöglichen eine intensivere natürliche Belichtung und lösen das Gefühl von Enge zu einer Atmosphäre auf, die Freiheit vermittelt.
Dachflächenfenster und dreifach verglaste Skyframe-Schiebefenster mit insgesamt 50 Quadratmetern Glasfläche sorgen für eine hohe Tageslichtausbeute, während zeitgemäße Dämmstandards, außenliegender Sonnenschutz und die Solarmodule die Energiebilanz deutlich verbessern. Anstelle der alten Heizkörper vor den Fenstern versorgt heute eine nachträglich in den Bestandsestrich eingefräste Fußbodenheizung das gesamte Haus – gespeist aus einem neuen, hochgedämmten Pufferspeicher, der zusätzlich durch einen PV-betriebenen Heizstab aufgeheizt wird.
Im Poolbereich minimiert eine mehrschichtige Innendämmung den Energieverbrauch, während eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung den Energieaufwand im Betrieb reduziert. Die einstige Rasenfläche haben wir in einen vielfältigen Garten mit heimischen Pflanzen verwandelt, der Insekten, Vögeln und anderen Kleintieren einen neuen Lebensraum bietet. So trägt das Projekt aktiv zur Förderung der Biodiversität bei.
Umbau und Sanierung HPS 13
- Leistungsphasen 0-9
- Fertigstellung 2024
- Entwurf: Bastian Bechtloff
- © Fotografien: Jakob Börner